„And the winners are….“ Was für ein toller Erfolg für die „Terra-Banker“. Ein fünfköpfiges Azubi-Team der Deutschen Bank – alle im zweiten Jahr ihrer Bank-Ausbildung in der Region Nordwest hat den diesjährigen Bankfachklasse-Award der Frankfurt School of Finance & Management für sich entschieden. „Wie sieht der Beruf des Bankers künftig aus? Wie muss sich die Ausbildung der Zukunft an die digitalisierte Welt anpassen?“ – so lautete das brandaktuelle Thema, mit dem Jusef, Dennis, Chantal, Azra und Nonna sich im vergangenen halben Jahr neben ihrer Ausbildung beschäftigt haben. Einfach mal ins Freie denken, eigene Erfahrungen einbringen und Ideen für die Umsetzung entwickeln. Das war die Herausforderung, der sich das Team mit großer Begeisterung gestellt hat. Belohnung war die Teilnahme am spannenden Finale in Frankfurt, bei dem sich die Deutsche Bank-Azubis dann mit einer tollen, interaktiven Präsentation gegen die Konkurrenz durchsetzen konnten. Mittendrin: Unsere DB-Insiderin Nonna. Wie hat sie diesen Tag erlebt? Welche Herausforderungen mussten auf dem Weg zum Ziel bewältigt werden? Und: Was genau sind eigentlich die Terra-Banker? Alles dazu gibt’s im Interview. 

 

Über den Bankfachklasse-Award

Der Bankfachklasse-Azubi-Award ist ein jährlich von den Springer Fachmedien (Bankfachklasse) und der Frankfurt School of Finance & Management vergebener Preis, mit dem talentierte Nachwuchsbanker für besondere Leistungen ausgezeichnet werden. Der Azubi-Award wird bundesweit ausgeschrieben und richtet sich an Azubis und duale Studenten. In jedem Jahr steht ein aktuelles Projektthema im Mittelpunkt des Wettbewerbs. Die teilnehmenden Gruppen arbeiten selbstständig, können Ihre Ideen aber während der Projektphase mit einem Mentor der Frankfurt School diskutieren und sich Tipps holen. Eine Fachjury aus Wirtschaftsjournalisten, Fachautoren und Dozenten der Frankfurt School prüft die eingehenden Beiträge und lädt die besten Teams zur Live-Präsentation nach Frankfurt ein. Dort wird dann auch der Gewinner gekürt. 

 

 

bankfachklasse-award-2018-01
bankfachklasse-award-2018-02
bankfachklasse-award-2018-03
bankfachklasse-award-2018-04
bankfachklasse-award-2018-05
bankfachklasse-award-2018-06
bankfachklasse-award-2018-07
bankfachklasse-award-2018-08
Zunächst mal herzlichen Glückwunsch zu eurem Erfolg. Das war sicher ein aufregender Tag für euch alle…

Nonna: Vielen Dank für die Glückwünsche. Und, o ja, das kann man so sagen. Das war wirklich aufregend. Wir sind schon einen Tag vor dem Finale in Frankfurt angereist, waren abends noch mit einem Fototeam unterwegs und haben dann fast die ganze Nacht für die Präsentation geübt. Sind nochmal die Texte durchgegangen, haben die Rollen verteilt. Kurzfristig waren zwei Mitglieder unseres Teams für den Finaltag ausgefallen und da mussten wir uns etwas einfallen lassen. Viel Schlaf haben wir da nicht bekommen.

Wie sieht der Banker oder die Bankerin der Zukunft denn nun aus?

Wir denken, dass sich Banker in Zukunft noch sehr viel mehr als heute auf das veränderte Kundenverhalten ausrichten müssen. Die Anzahl der Onlinekonten haben sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Allein diese Zahl zeigt, dass die Digitalisierung künftig eine ganz wichtige Rolle spielen wird und aus unserer Sicht künftig viel stärker in das Beratungskonzept der Banken einbezogen werden muss. Kunden sind heute aufgeklärter als noch vor einigen Jahren und wissen genau, was sie wollen. Angebote sind immer nur einen Mausklick entfernt, alles was man braucht oder wissen will, kann man per Internet sofort und überall erhalten. Der moderne Lifestyle ist online.

Was ist dabei die spezielle Herausforderung von Banken?

Banken haben es in diesem Umfeld im Moment schwer. Die Finanzkrise hat die Menschen misstrauisch gemacht, eine Ausbildung bei einer Bank hat längst nicht mehr so einen hohen Stellenwert wie vor ein paar Jahren. Als ich mich für eine Bankausbildung entschieden habe, habe ich mir von meinen Freunden ziemlich viel Kritisches anhören müssen. Das hängt auch damit zusammen, dass viele sich nicht vorstellen können, wie die Zukunft der Banken aussehen wird. Außerdem gibt es immer mehr Konkurrenz – Startups, die die Finanzbranche revolutionieren, Handelsunternehmen, die eigene Zahlungsverkehrsleistungen anbieten usw. Da müssen sich die klassischen Privatbanken etwas einfallen lassen  sie sind ja so etwas wie „digitale Einwanderer“ und wir haben uns gefragt, wie sie es schaffen können sich im neuen digitalen Lifestyle zu profilieren und dadurch auch mehr Nachwuchskräfte gewinnen können.

Und was habt ihr euch dazu überlegt?

Wir denken, die Bank muss zu einem Erlebnisraum werden und der Bankberater ist derjenige, der diesen Raum gestaltet. Das fängt in der Filiale an. Multi-Touch Displays, bequeme Sitzmöglichkeiten, weniger Papier (auch aus Umweltgründen). Ein gutes Beispiel für diese „Bank der Zukunft“ ist das Quartier Zukunft der Deutschen Bank in Berlin – Finanzberatung, bequeme Sessel und Sitzecken statt Beraterkabine oder Tresen, Shoppingmöglichkeiten, Café, Treffpunkt – alles unter einem Dach. Das hat auch etwas mit Emotionen und mit Wohlfühlen zu tun. Der Berater wird in dieser Welt nicht weniger wichtig, sondern vielleicht sogar noch wichtiger – er muss sich um viele Facetten weiterentwickeln – Fachwissen ist wichtig, aber es geht vor allem auch darum, flexibel zu sein, kommunikativ und ansprechbar.

Wie passt diese persönliche Betreuung zur Digitalisierung?

Das ist aus unserer Sicht kein Widerspruch, sondern ergänzt sich. Es geht darum, flexible digitale Angebote mit persönlicher Beratung zu kombinieren – so wie es zum Lifestyle der unterschiedlichen Kunden passt. Per App kann man heute schon Bankgeschäfte am Smartphone erledigen, dank digitaler Identitäten kann man Aufträge sicher und rechtsverbindlich signieren und sich identifizieren. Es gibt bereits viele elektronische Beratungstools – z.B. müssen Kunden nicht mehr in die Filiale kommen, sondern können sich bequem von zu Hause aus beraten lassen. Aber die digitalen Möglichkeiten sind noch längst nicht ausgeschöpft, das fängt ja alles gerade erst an. Ganz vorne ist da sicher so etwas wie die VR Brille, mit der man virtuelle Realitäten simulieren und sich in Echtzeit in eine interaktive Umgebung versetzen kann. Z.B. in der Baufinanzierung könnte man dann vorab mit der ganzen Familie das geplante Eigenheim besichtigen und sich ansehen, wie das das neue Haus sich anfühlt. So entsteht ein ganz neuer Kommunikationskanal für Berater und Kunde die Kommunikation ist digital, gleichzeitig näher, echter und fühlbarer.

Was denkt ihr: Mit welchen Ideen konntet ihr besonders punkten?

Eine unserer Kernideen war, Pepper in unser Konzept einzubeziehen.

Pepper?

Pepper ist ein „menschenähnlicher“ Roboter, der, wie wir finden, perfekt in die neue Beratungserlebniswelt passen könnte. Pepper sieht „menschlich“ aus, hat Körpersprache und Mimik und kann aktiv auf sein Gegenüber eingehen. Natürlich kann er keine persönliche Beratung ersetzen, soll er auch gar nicht. Aber er kann die Beratung ergänzen und bestimmte Standardaufgaben übernehmen – z.B. am Empfang einer Filiale die Kunden begrüßen und ein Vorgespräch führen. Das verkürzt Wartezeiten, ist stylisch und cool und holt die Kunden in die neue Bankwelt. In unserer Präsentation haben wir in einer Szene das Publikum die Augen schließen lassen und mit Soundeffekten gearbeitet. Dabei wurde ein kurzes Gespräch zwischen Roboter und Kunde simuliert. Das ist sehr gut angekommen und es war ein echt tolles Erlebnis, zu sehen, wie das Publikum mit geschlossenen Augen reagiert hat.

Und was bedeutet das alles für die Ausbildung der Bankkaufleute? Braucht man aus eurer Sicht noch so etwas wie Berufsschulen?

Ja, Berufsschulen sollte es zumindest vorläufig weiterhin geben. Aber die Vernetzung zwischen der Berufsschule und dem Lernen im Unternehmen muss flexibler und offener gestaltet sein. Die Verschmelzung der Lernorte kann den Weg ins Berufsleben vorbereiten. Wer später als Berater vernetzt arbeitet, sollte auch in der Ausbildung bereits mit unterschiedlichen Kanälen und virtuellen Lernmöglichkeiten umgehen und selbstständig lernen. Unser Vorschlag ist, so genannte „Smartpoints“ einzurichten – bei großen Unternehmen in einer eigenen Etage oder in leer stehenden Bürogebäuden in verschiedenen Großstädten. Montag bis Mittwoch ist z.B. Berufsschulpflicht und dort wird Basiswissen – BWL, WiSo und Rechnungswesen – vermittelt. An den restlichen Wochentagen können Azubis sich ihre Lernzeit individuell einteilen und am Smartpoint lernen wer will auch am Wochenende. Die Smartpoints werden lernförderlich eingerichtet z.B. mit Lounges und Sitzecken, damit man auch in Gruppen arbeiten kann. Es gibt Smart-Boards und Touch-Pens, iPads und WLan. Der klassische Stundenplan ist abgeschafft, jeder teilt sich die Zeit so ein wie es für ihn sinnvoll ist. Die Lernmaterialien sind digital, keine Papierberge, Bücher oder Ordner mehr. Und mit einer DigiCard könnte man den Zugang zu den Smartpoints regeln und jeder kann sein Lernzeitkonto individuell steuern. Wir stellen uns vor, dass solche Smartpoints von den Azubis verschiedener Banken gemeinsam genutzt werden könnten. Die Finanzierung und Umsetzung der Smartpoints wird dann von den beteiligten Banken gemeinsam geleistet.

Wow. Das sind wirklich viele tolle Ideen – toll, dass ihr überall auch gleich an die Umsetzbarkeit gedacht habt?...

Ja, das war uns wichtig. Manches – speziell der Einsatz von Pepper – ist sogar bereits mit Zahlen hinterlegt.

Jetzt aber nochmal zurück zum Anfang. Wie hast du den Finaltag erlebt?

Morgens sind alle Finalteams nach und nach bei der Frankfurt School angekommen und es gab erst einmal einen Kaffee. So richtig viel essen konnten wir alle nicht – wir wollten, dass es möglichst schnell losgeht. Die Reihenfolge, in der die Teams präsentiert haben, wurde ausgelost und wir waren Nummer 5. Früher wäre uns lieber gewesen, aber so hatten wir Gelegenheit, uns die anderen Teams anzuschauen. Unsere Präsentation lief dann richtig gut. Ich mache so etwas ohnehin sehr gerne und habe auch keine Probleme vor Publikum „aufzutreten“. Liegt vielleicht daran, dass ich früher öfter mal Theater gespielt habe. Besonders aufregend war dann natürlich die Wartezeit bis die Jury ihre Entscheidung bekannt gegeben hat. Es gab zur Überbrückung zwei Vorträge und eine Kleinigkeit zum Mittagessen. Wenn ich mich richtig erinnere, war das Quiche… Die Gewinner wurden dann in umgekehrter Reihenfolge verlesen. Also erst Platz sechs, dann fünf… Das war ganz schön nervenaufreibend. Am Ende haben dann nur noch zwei Teams vorne gestanden und als dann die Terra-Banker als Sieger verkündet wurden, war nur noch Jubel. Wahnsinn – wir haben uns unglaublich gefreut, hatten so viel Arbeit und Zeit in das Projekt gesteckt und es war ein tolles Gefühl, dass sich alles gelohnt hat.

Habt ihr außer der Anerkennung auch etwas gewonnen?

Ja klar, es gab Sachpreise und Lerngutscheine für die Frankfurt School. Aber das tollste Geschenk war, dass wir diesen Tag erleben durften. Das war großartig. Auch der Rummel nach der Siegerehrung. Interviews, Fotos – man ist kaum dazu gekommen einen klaren Gedanken zu fassen. Die Terra-Banker ganz vorne – genial.

Apropos Terra-Banker – wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?

Banker ist ja bekannt. Und Terra ist ein Mix aus Terra (Erde) und Terabyte. Der Gedanke dahinter: Die Zukunft der Erde und des Bankers ist digital.

Vielen Dank für das informative Gespräch und die tollen Ideen an alle Terra-Banker – und an die, die es werden wollen.